Erbe antreten statt neu gründen: Einblicke in eine externe Nachfolge.

Nach mehreren Gründungen hätte ich erneut von null anfangen können. Stattdessen entschied ich mich für die Unternehmensnachfolge bei einem Unternehmen, das es schon gab: der 1985 gegründeten EGGERT Group. Eine Wahl, die zeigt: Unternehmertum bedeutet nicht immer, das Rad neu zu erfinden. Und: auch ohne ein Unternehmen in der eigenen Familie kann ich Nachfolgerin sein.
Warum Nachfolge vor Neugründung?
Als Mehrfachgründerin kenne ich die Faszination des weißen Blattes. Doch nach jahrelanger Erfahrung mit diversen Höhen und Tiefen erkannte ich: Das wertvollste Asset ist Vertrauen. Vertrauen entsteht über die Zeit. Die EGGERT Group bot mir ein etabliertes Fundament mit 40 Jahren Expertise und einem treuen Kundenstamm. Warum also Jahre in den Aufbau investieren, wenn ich direkt an der Weiterentwicklung arbeiten kann? Die Entscheidung war strategisch: Ich übernehme nicht nur ein Unternehmen, sondern eine Geschichte, die ich fortschreiben kann.
Nachfolge ohne Familienbande
Besonders ist unsere Konstellation: Sven Eggert und ich sind nicht verwandt. Das schafft eine andere Dynamik als bei klassischen Vater-Tochter-Übergaben. Weniger emotionale Altlasten, mehr sachliche Entscheidungen. Unsere Zusammenarbeit basiert auf gemeinsamen Werten und strategischen Zielen, nicht auf familiären Verpflichtungen. Gleichzeitig bringt diese Konstellation Herausforderungen mit sich: Vertrauen muss aktiv aufgebaut, Traditionen müssen bewusst verstanden werden.
Familie trifft Unternehmertum
Ironischerweise wird die EGGERT Group durch mich wieder ein Stück weit zum Familienbetrieb, denn meine Schwester arbeitet zusammen mit meinem Team an gemeinsamen Kundenprojekten. Diese Konstellation zeigt: Familie im Unternehmen kann bereichernd sein, wenn die Rollen klar definiert sind und professionelle Standards gelten.
Generationendienlichkeit als Grundprinzip
Unser Setup ist bewusst zukunftsoffen gestaltet. Die Struktur ermöglicht es, dass später Svens Kinder involviert werden können oder ich in Zukunft strategischer agiere, während ein Managing Director operativ führt. Diese Flexibilität ist entscheidend für nachhaltiges Unternehmertum.
Erkenntnisse für Unternehmerfamilien
Auf diesem bisherigen Weg sind es im Wesentlichen drei Dinge, die ich gelernt habe:
1. Succession ist Strategy:
Nachfolge sollte nicht dem Zufall überlassen, sondern aktiv gestaltet werden. Lieber früher als später das Thema angehen. Erfahrungsgemäß wird es dauern.
2. Beziehung before Business:
Erfolgreiche Übergaben basieren auf Vertrauen und geteilten Werten, nicht nur auf Zahlen.
3. Flexibilität als Fundament:
Strukturen sollten Raum für verschiedene Zukunftsszenarien lassen.
Meine Erfahrung zeigt: Unternehmertum kann verschiedene Formen annehmen. Manchmal bedeutet der mutigste Schritt nicht zu gründen, sondern zu übernehmen und weiterzuentwickeln – und das kann auch etwas sein, das nicht von den eigenen Eltern kommt.
Anna Müller ist Geschäftsführerin der EGGERT Group und Mehrfachgründerin. Nach erfolgreichen eigenen Gründungen entschied sie sich für die Unternehmensnachfolge – ein Weg, der zeigt, wie Unternehmertum neue Formen annehmen kann. Ihre Expertise im Bereich digitale Transformation und strategische Kommunikation bringt sie nun in ein etabliertes Familienunternehmen ein, das sie gemeinsam mit Gründer und Inhaber Sven Eggert in die nächste Generation führt. Ihre Verbindung zu FUTUN entsteht durch die gemeinsame Überzeugung, dass unternehmerische Familien von neuen Perspektiven und flexiblen Nachfolgemodellen profitieren.
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